Aktuelles - Juli 2014

Beteiligung von Anfang an: Jugendliche planen in Bochum-Wattenscheid "ihr" Jugendcafé

Das Ludwig-Steil Haus wird Ende des Jahres 2014  seine Pforten schließen, so dass es für zahlreiche Kinder und Jugendliche im östlichen Zentrum von Wattenscheid-Mitte zunächst einmal keine Anlaufstelle mehr geben wird. In konzeptioneller und beratender  Zusammenarbeit mit dem Projekt Bildung(s)gestalten Hat Watt und dem evangelischen Träger sowie weiteren Kooperationspartnern wie Streetwork, X-Vision und einem Architekten besteht nunmehr die Möglichkeit, ein leerstehendes Ladenlokal in der Fußgängerzone zu einem Jugendcafé für 14 bis 21 jährige Jugendliche umzugestalten, welches über das Jugendamt der Stadt Bochum (KJFP) finanziert wird. Hierzu werden Jugendliche aufgefordert mit der Methode „planing for real“ sich von Anfang an bei der Planung und inhaltlichen Schwerpunktsetzung zu beteiligen, Ideen zu entwickeln, die später in Peergroups weiter ausgehandelt werden. Dies soll mit Hilfe eines selbstgebauten Modells aus Styropor, Modelliermasse etc. veranschaulicht und in Schulen, an öffentlichen Plätzen, in Vereinen und OTs anderen Jugendlichen zur Diskussion gestellt werden. Eine Film- und Interviewgruppe, eine Modellbaugruppe sowie eine AG für Öffentlichkeitsarbeit und Finanz- Akquise haben sich bereits aus dem Kreis der 17 Jugendlichen zur Vorbereitung des Projektes gebildet. Auch die zukünftige Weiterentwicklung  des Jugendcafés (konkrete Angebote, gemeinsame Planung von Events und Veranstaltungen, selbstverantwortliche Übernahme etc.) werden die Jugendlichen immer wieder vor Anforderungen stellen, wofür sie besondere Kompetenzen und auch pädagogische Begleitung/ Beratung benötigen werden. Ziel ist es, am Ende des Jahres das Café einzurichten, Möbel zu bauen und Wände zu gestalten. Ein Trailer wird alle Prozesse des Partizipationsprojektes festhalten, damit er in anderen OTs und Einrichtungen und im Jugendhilfeausschuss präsentiert werden kann.

Die hohe Motivation zeigt sich unter anderem auch im folgenden Kurzartikel der AG Öffentlichkeitsarbeit: „Das erste Treffen nach einer Infoveranstaltung begeisterte 17 Jugendliche, die sich zuvor kaum kannten, entwickelten gemeinsam realisierbare Vorstellungen bezüglich der Errichtung des Cafés und wuchsen dabei schnell zu einem produktiven und  harmonischen Team zusammen. Es ist offensichtlich, dass hierbei 'Arbeit' und Spaß nicht getrennt werden, was auch die Besichtigung des zukünftigen Cafés zeigt, in dem das Team schon genau zu wissen scheint, wie es bald dort aussehen wird und voller Tatendrang und Freude die künftigen Treffen erwartet“.

Multiplikator*innen bildeten sich gemeinsam fort

Insgesamt 20 Erzieher*innen und Lehrer*innen aus verschiedenen Kindertagesstätten unterschiedlichster Träger und einer Grundschule aus Bochum-Wattenscheid nahmen das Angebot einer zweitägigen Fortbildung von Bildung(s)gestalten Hat Watt an und ließen sich von Christian Peters (Neurophysiologischer Entwicklungsförderer) in das INPP-sensomotorische Förderprogramm für den Einsatz in Kitas und Grundschulen einführen. Basierend auf seinem Fachvortrag  im Netzwerk in 2013 vermittelte er zunächst vertiefende Kenntnisse zu frühkindlichen Reflexen und wie man diese identifizieren kann. Normalerweise reifen innerhalb des ersten Lebensjahres diese Reflexe aus. Wird diese Reifung aber gehemmt (bei Früh- und  Kaiserschnittgeburten oftmals feststellbar), dann kann sich die neuromotorische Unreife negativ auf die Gleichgewichtskontrolle sowie motorische und kognitive Fähigkeiten auswirken. Der praktische Teil der Fortbildung befasste sich daher mit einem einfachen Bewegungsübungsprogramm, das in der Schule und im letzten Kindergartenjahr jeden Tag etwa 10 Minuten lang für größere Gruppen über ca. 9 Monate durchgeführt werden kann. Es besteht aus einer Reihe entwicklungsbezogener Übungen, die diejenigen Bewegungsmuster zur Grundlage haben, die ein Kind normalerweise im ersten Lebensjahr durchführt und welches die Kinder an den Beginn der frühkindlichen Gleichgewichtsentwicklung zurückführt. Die dadurch verbesserte Koordination wird zu einer integrierten Funktion und nicht lediglich zu einer Fertigkeit, wie es oft bei anderen Bewegungsprogrammen der Fall ist.

Die Teilnehmenden werden nun in ihren Einrichtungen für ihre Kindergruppen das Übungsprogramm einsetzen, wobei nicht nur „auffällige“ sondern alle Kinder einer (Alters-)gruppe in den Genuss des Bewegungsangebotes kommen sollen. Das Netzwerk Hat Watt wird ca. nach einem halben Jahr einen ersten Erfahrungsaustausch für alle Erzieher*innen koordinieren, zu dem der Referent ebenfalls eingeladen wird. Das Fortbildungsangebot wurde durch die Anneliese-Brost-Stiftung finanziell unterstützt.